January 12, 2026

✨Tehran Lights: Ein Lied aus Herzschmerz und Solidarität


Tehran Lights – Eine Stadt, kein Symbol

Bevor ich irgendetwas anderes sage, möchte ich ehrlich sein.
Ich bin erschüttert. Ich bin tieftraurig. Und wie so viele andere, die aus der Ferne zusehen, fühle ich mich oft schmerzhaft hilflos.

Wenn die Last zu schwer wird, wenn das Scrollen durch die Nachrichten unerträglich erscheint und Schweigen sich falsch anfühlt, bleibt mir nur ein Weg, um wieder etwas Ruhe zu finden: zu schreiben. Den Gefühlen einen Ort zu geben, an dem sie atmen können. Ihnen eine Form zu geben. Sie durch Musik zum Leben zu bringen.

So ist Tehran Lights entstanden.

Es gibt Lieder, die man schreibt, weil man etwas sagen möchte.
Und es gibt Lieder, die man schreibt, weil Schweigen keine Option mehr ist.

Tehran Lights gehört zur zweiten Art.

Ich habe dieses Lied aus der Ferne geschrieben, aber es war nie dazu gedacht, distanziert zu klingen. Es ist im Exil entstanden, ja – aber ebenso aus Erinnerung, Verantwortung und Liebe. Teheran ist nicht nur der Ort, an dem ich geboren wurde. Es ist eine Stadt, die mich großgezogen, geprägt und geformt hat und die bis heute in mir weiterlebt, egal wie viele Grenzen zwischen uns liegen.


Eine Stadt, keine Metapher

In Tehran Lights ist Teheran kein Symbol.
Keine Kulisse.
Keine Idee.

Teheran ist eine lebendige Präsenz.

Eine Stadt, die zusieht.
Eine Stadt, die blutet.
Eine Stadt, die sich weigert zu verschwinden.

Wenn ich sage: „Tehran, az tariki natars“Teheran, fürchte dich nicht vor der Dunkelheit – dann spreche ich nicht poetisch. Ich spreche direkt. Zu einer Stadt, die seit Jahrzehnten gezwungen ist, unter Druck, Gewalt, Zensur und Angst zu leben und trotzdem immer wieder Wege findet zu atmen.


Vom „Ich“ zum „Wir“

Das Herz dieses Songs liegt in einer kleinen, aber entscheidenden Verschiebung.

Der Refrain beginnt mit:

Man ba to-amIch bin bei dir

Und er endet mit:

Ma ba to-imWir sind bei dir

Dieser Wechsel ist wichtig.

Denn Exil beginnt oft mit dem Ich.
Mit Einsamkeit.
Mit Trennung.
Mit dem Blick aus der Ferne.

Aber Solidarität existiert erst dann, wenn aus dem Ich ein Wir wird.

Dieses Lied spricht nicht für Iran.
Es steht an seiner Seite.


Drei Sprachen, eine Geschichte

Tehran Lights bewegt sich zwischen Farsi, Englisch und Deutsch – nicht aus ästhetischen Gründen, sondern weil mein Leben so klingt.

Farsi trägt Nähe, Erinnerung und Zärtlichkeit.
Englisch öffnet die Tür zur Außenwelt.
Deutsch verankert die Realität des Lebens anderswo, des Aufbaus eines neuen Alltags, während man einen anderen weiterhin in sich trägt.

Keine dieser Sprachen löscht die andere aus.
Sie existieren nebeneinander – so wie Identität in der Diaspora.


Licht als Widerstand

Das Bild des Lichts zieht sich durch den gesamten Song.

Laternen.
Straßen der Kindheit.
Verblasste Flaggenfarben.
Kleine Flammen, vorsichtig gehalten in dunklen Räumen.

Das ist nicht die Sprache großer Revolutionen.
Es ist die Sprache des Überlebens.

Licht brüllt nicht immer.
Manchmal weigert es sich einfach, zu erlöschen.


Das Artwork

Das Cover von Tehran Lights zeigt den Azadi-Turm im Dunkeln – verwundet, weinend – umgeben von fünf Kindern, die Laternen halten. Das Licht kommt nicht vom Turm selbst, sondern von der nächsten Generation.

Hinter ihm erscheint die Silhouette Teherans in den Farben der iranischen Flagge.

Das ist keine Nostalgie.
Das ist Kontinuität.


Warum dieses Lied existiert

Tehran Lights ist kein Protestgesang.
Kein Slogan.
Keine Antwort.

Es ist eine Hand, die man im Dunkeln hält.

Für die, die geblieben sind.
Für die, die gegangen sind.
Für die, die müde sind.
Für die, die noch stehen.

Tehran, az tariki natars.

Ma ba to-im.

No comments:

Post a Comment